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19. Juli 2026 · HapticAI · PhysicalMatrix

KI wie einen Pinsel verwenden

Ein Pinsel entscheidet weder über Motiv noch Bedeutung. Er erweitert die Möglichkeiten des Künstlers. HapticAI überträgt dieses Werkzeugverständnis auf generative KI und verbindet menschliche Absicht, physische Gestaltung, objektive Analyse und Bildgenerierung in einem nachvollziehbaren Prozess.

Der Mensch bleibt dabei nicht bloßer Auftraggeber eines Algorithmus. Er formuliert die kreative Ausgangsabsicht, arrangiert eine physische Pose, bewertet deren persönliche Bedeutung und entscheidet, welche Ergebnisse weiterverfolgt, verändert oder verworfen werden. Die KI übernimmt die Rolle eines leistungsfähigen bildnerischen Instruments.

Vom physischen Ausdruck zum Bildprompt

HapticAI beginnt nicht mit einem rein sprachlichen Prompt. Ausgangspunkt ist eine reale, räumliche Konfiguration: beispielsweise die Pose einer Gelenkfigur, eine Objektanordnung oder künftig eine multimodale PhysicalMatrix-Szene. Die PWA erfasst diese Ausgangslage über die Kamera und trennt konsequent zwischen objektiver Beschreibung und subjektiver Bedeutung.

Capture Analyze Abstract Compose Generate

Diese Trennung ist zentral: Die objektive Analyse beschreibt nur sichtbare oder physikalisch messbare Merkmale. Erst anschließend ergänzt der Nutzer seine persönliche Interpretation, emotionale Absicht und gestalterische Zielsetzung.

HapticAI Benutzeroberfläche mit Kamerabereich, variabler Farbpixelmatrix und Abstract-Schaltfläche
Die HapticAI-Oberfläche kombiniert Kameraaufnahme, Creative Intent und eine lokal im Browser erzeugte Farbpixelmatrix. Die Matrixgröße und Darstellungsweise können direkt gewählt werden.

Die aktuellen Funktionen von HapticAI

Creative Intent

Die künstlerische Ausgangsabsicht wird dokumentiert, ohne die objektive Analyse vorab in eine bestimmte Richtung zu lenken.

Kameraaufnahme

Die PWA nutzt die Kamera eines Smartphones, Tablets oder Computers. Front- und Rückkamera können je nach Gerät umgeschaltet werden.

Objektive Poseanalyse

Erfasst werden unter anderem Kopf- und Rumpfausrichtung, Arm- und Beinstellung, Offenheit, Symmetrie, Dynamik, Stabilität und Balance.

Standardwirkung

Aus den objektiven Merkmalen entsteht eine standardisierte Beschreibung der formalen Wirkung. Sie bleibt klar von der persönlichen Bedeutung getrennt.

Persönliche Bedeutung

Der Nutzer ergänzt, was die Pose oder Konfiguration für ihn individuell ausdrückt. Diese Ebene bleibt ausdrücklich menschlich geführt.

Prompt-Komposition

Creative Intent, objektive Analyse, Standardwirkung, persönliche Bedeutung und optionale Matrix-Abstraktionen werden zu einem editierbaren Bildprompt verbunden.

Generative Bilderstellung

Format und Qualitätsstufe sind auswählbar. Die Bilderzeugung erfolgt als separater Job, damit die PWA auch bei längeren Laufzeiten stabil bleibt.

Creative Process Report

Der vollständige Entstehungsweg kann als Bericht und JSON-Datensatz dokumentiert werden – einschließlich Ausgangsabsicht, Analyse und finalem Prompt.

Neu: variable Farbpixelmatrix direkt in der PWA

Die aktuelle Version erweitert HapticAI um eine optische Farbsensorebene. Statt eines zusätzlichen Kameramoduls oder Coprozessors reduziert die PWA das laufende Kamerabild direkt im Browser auf eine abstrahierte Farbpixelmatrix.

Per Radio-Button stehen vier Auflösungen zur Verfügung:

Zusätzlich kann zwischen drei Ansichten gewechselt werden: RGB-Farbe, Helligkeit und Sättigung. Die Matrix wird in einem festen Intervall aktualisiert und zeitlich geglättet, damit Kamerarauschen und kleine Belichtungsschwankungen nicht zu unruhigen Ergebnissen führen.

Datenschutzfreundlicher Ansatz: Die Matrixberechnung erfolgt lokal im Browser. Für die Farbabstraktion muss kein vollständiges Kamerabild an einen externen Dienst übertragen werden.

Achromatische Szenen korrekt erkennen

Eine besondere Herausforderung sind schwarze, graue oder weiße Flächen. Kameras versuchen dunkle Motive häufig durch automatische Belichtung aufzuhellen. Dabei können minimale Farbstiche entstehen, die ohne geeignete Filter fälschlich als dominante Farbe interpretiert würden.

HapticAI führt deshalb vor der Farbtonanalyse eine achromatische Klassifikation durch. Nur ausreichend gesättigte und helle Pixel fließen in die Bestimmung dominanter Farbtöne ein. Szenen können dadurch eindeutig als BLACK, DARK_GRAY, GRAY, LIGHT_GRAY, WHITE oder CHROMATIC eingeordnet werden.

COLOR_MATRIX{
SIZE=8X8;
COLOR_CLASS=BLACK;
DOMINANT=NONE;
SECONDARY=NONE;
PALETTE=ACHROMATIC;
SATURATION=VERY_LOW;
NEUTRAL=100%;
ACTIVE_AREA=0%;
SPREAD=MINIMAL;
}

„Abstract“: von Pixeln zu einer objektiven Gestaltungssprache

Die Schaltfläche Abstract übersetzt die aktuelle Farbpixelmatrix in drei aufeinander aufbauende Ebenen. Diese Verarbeitung erfolgt regelbasiert und nachvollziehbar:

  1. PhysicalMatrix Color DSL: kompakte Mess- und Strukturmerkmale wie dominante Farben, Helligkeit, Sättigung, Kontrast, aktive Fläche, Schwerpunkt, Balance und Regionen.
  2. COLOR_LANGUAGE: eine objektive, gestaltungstheoretische Beschreibung der Farbkomposition.
  3. Prompterweiterung: ein editierbarer Text, der kontrolliert in den finalen Bildprompt übernommen werden kann.
HapticAI Abstract-Popup mit Color DSL, Color Language und Prompterweiterung
Das Abstract-Popup zeigt transparent, wie aus der Farbpixelmatrix zunächst strukturierte Messwerte, anschließend eine objektive Gestaltungssprache und schließlich eine übernehmbare Prompterweiterung entstehen.
COLOR_LANGUAGE{
COLOR_STRUCTURE=COMPLEMENTARY_TENSION;
CHROMATIC_DENSITY=MEDIUM_CHROMATIC_FIELD;
TONAL_STRUCTURE=MID_TONE_FIELD;
TRANSITIONS=SOFT_TO_MODERATE_TRANSITIONS;
SPATIAL_WEIGHT=SLIGHT_RIGHT_EMPHASIS;
VISUAL_NOISE=LOW_VISUAL_NOISE;
SYMMETRY=NEARLY_BALANCED;
INTERPRETATION_LEVEL=OBJECTIVE_COMPOSITION;
}

Die Begriffe beschreiben bewusst keine psychologischen Zuschreibungen wie „Blau bedeutet Trauer“. Stattdessen geht es um nachvollziehbare Eigenschaften wie komplementäre Spannung, chromatische Dichte, Tonwertstruktur, Übergänge, räumliches Gewicht, Flächenorganisation, Verteilung, visuelles Rauschen und Balance.

Transparenz statt Mystifizierung

HapticAI zeigt, aus welchen Ebenen ein Prompt entsteht. Die KI wird nicht als undurchsichtige Urheberinstanz inszeniert, sondern als Instrument innerhalb eines größeren, dokumentierbaren Schöpfungsprozesses.

Der Nutzer kann jeden Zwischenschritt prüfen und verändern:

PhysicalMatrix: ein gemeinsames Vokabular für mehrere Sensoren

Die Farbpixelmatrix ist zugleich ein erster Baustein der weiterführenden PhysicalMatrix-Architektur. Dort sollen unterschiedliche physikalische Sensorebenen nach demselben Prinzip verarbeitet werden:

RGB-Kamera     → COLOR_MATRIX{...}   → COLOR_LANGUAGE{...}
AMG8833        → THERMAL{...}        → THERMAL_LANGUAGE{...}
VL53L5CX       → DEPTH{...}          → DEPTH_LANGUAGE{...}
Spektralsensor → SPECTRAL{...}       → SPECTRAL_LANGUAGE{...}
VOC-Sensor     → VOC{...}            → VOC_LANGUAGE{...}

Die Rohdaten bleiben zunächst getrennt und nachvollziehbar. Erst auf Feature- und Sprachebene werden sie zu einer multimodalen PhysicalMatrix-Beschreibung fusioniert. So kann generative KI künftig nicht nur auf Sprache und Bilder reagieren, sondern auf eine strukturierte Beschreibung realer thermischer, räumlicher, farblicher und stofflicher Eigenschaften.

Menschliche Führung bleibt der Kern

Der Künstler setzt Ausgangsabsicht, physische Konfiguration, persönliche Bedeutung, Emotion und gestalterische Regeln. Die KI realisiert und variiert innerhalb dieses Rahmens. Auswahl, Korrektur und Freigabe bleiben menschliche Entscheidungen.

HapticAI soll generative KI deshalb nicht autonomer erscheinen lassen, sondern besser benutzbar machen: als Pinsel, als Material und als responsives Werkzeug für einen bewusst geführten kreativen Prozess.